Das Böckumer Dreieck im Wandel der Zeit

In der Dorfmitte von Böckum befindet sich ein dreieckiges Grundstück. Dieses ist von drei Straßen umschlossen und ist in unterschiedlicher Größe im Besitz von drei Anliegern gewesen. Bis Ende 18. Jahrhundert / Anfang 19. Jahrhundert war hier ein Teich oder mehr eine Kuhle. Nach alter Überlieferung war die Benennung „Sagekuhle“ oder „Saakuhle“ geläufig, was auf Hochdeutsch Sägekuhle bedeutet. In dieser Kuhle wurden die Baumstämme zum Bau der Fachwerkhäuser und Wirtschaftsgebäude zur leichteren Verarbeitung als Bauholz und zum Brettschneiden feucht gehalten. Hier wurde das Holz auch gesägt und gezimmert. Der Wasserzulauf für diese Kuhle war der Ablauf von der nördlich vorhandenen Grützenmühle, die mit einem Wasserrad angetrieben wurde.

Das Dreieck aus der Vogelperspektive

Die Häuser Stephanusstraße Nr. 19 und 21 waren früher eine Einheit auf einem Grundstück. Nr. 19 war das Wohnhaus des Müllers und Nr. 21 war die Mühle. Der Wasserzulauf für die Mühle kam aus dem nördlich vom Dorfe vorhandenem Wald, worauf die heutige Flurbezeichnung „Lindloh“ noch hinweist. Bei Kanalarbeiten in der Stephanusstraße wurde das Grabenprofil vom Ablaufgraben zur Kuhle hin sichtbar.

Mit dem Bau der Eisenbahn wurde die Wasserzufuhr unterbrochen und die Mühle stillgelegt. In der Zeit ca. 1853/1854 wurde das Mühlengebäude verkauft und das Grundstück aufgeteilt. Das Gebäude wurde nach Ausbau der Mühle und einigen Veränderungen bis 1925 als Wohnhaus genutzt und dann durch einen Neubau auf der gleichen Stelle ersetzt. Die östliche Kellerwand ist noch die alte Bruchsteinmauer vom ehemaligen Mühlengraben und Wasserrad.

Der Ablauf oder Überlauf der Sägekuhle lief in südliche Richtung ins Unterdorf. Die jetzige Straße „Zum Birkengrund“ war nach Überlieferung ein Hohlweg. Beim Verlegen der Kanalrohre durch diese Straße wurden in 1 bis 1,2 Meter Tiefe an einigen Stellen Steinverfüllungen oder Reste von Wegebefestigungen sichtbar.

Bei der Separation um 1900 wurde der heutige Fluetgraben mit seinen Zuläufen aus dem Dorf angelegt. Mit der dabei anfallenden Erde wurden der Mühlengraben und die Kuhle verfüllt.

In der Zeit zwischen 1900 und dem Umbau wurde das Grundstück als Wiese für Weidetiere auf dem eine Vielzahl unterschiedlicher Bäume standen verwendet.

Nachdem 2007 auf einer Bürgerversammlung der Erwerb des Böckumer Dreiecks besprochen wurde, dauerte es einige Jahre, bis die Realisierung in Anspruch genommen werden konnte. Zunächst konnten – nachdem sich Fördermöglichkeiten abzeichneten – in Abstimmungen mit den Einwohnerinnen und Einwohner 2015 erste Planentwürfe entwickelt werden. Leider stellte sich jedoch heraus, dass diese Dorfgestaltung nicht aus ursprünglich anvisierten LEADER-Mitteln umzusetzen war. Auch mit einer lediglich 30% Förderung aus Dorferneuerungsmitteln erschien eine Umsetzung nicht machbar.

Neue Hoffnung ergab sich dann, als der Rat der Stadt Erwitte beschloss, ein kommunales integriertes Entwicklungskonzept auf den Weg zu bringen. Da die Planungen für das Dreieck nahezu abgeschlossen waren, konnte die für dieses Konzept notwendige Projektskizze unverzüglich vorgelegt werden. Damit war es letztendlich möglich, 65% Fördermittel über die Bezirksregierung Arnsberg durch den Bürgerverein zu beantragen. Diese Förderung wurde dann auch, nach einigem hin und her bei der Antragstellung, durch die Bezirksregierung bewilligt. Neben den Eigenleistungen durch die Einwohnerinnen und Einwohnern wurden die restlichen notwendigen Finanzmittel durch die Stadt Erwitte zugesagt.

Die notwendigen Anträge wurden in Abstimmung mit der Stadt Anfang 2019 gestellt. Wichtige Bedingung der Förderung war die Fertigstellung der Maßnahme bis Ende 2019. Leider verzögerte sich die finale Förderzusage der Bezirksregierung Arnsberg bis Oktober, so dass die notwendigen Ausschreibungen und die Vergabe sowie die Umsetzung im letzten Quartal 2020 unbedingt gelingen musste.

Nach den Vorarbeiten der Baufirma Ende November folgten zwei große Arbeitseinsätze zahlreicher Dorfbewohner an den ersten beiden Wochenenden im Dezember. Bei glücklicherweise gutem Wetter, konnten dann tatsächlich die Pflasterarbeiten und die Pflanz- und Erdarbeiten zum Abschluss gebracht werden. Einer spontanen, inoffiziellen Einweihung an Silvester 2019 um 24:00 Uhr stand dann nichts mehr im Wege.

Das Dreieck vor der Umgestaltung
Das Dreieck nach der Umgestaltung